Stressmanagement
 

Stress ist nicht gleich Stress - oder doch?

Stress hat zwei Seiten und so viele verschiedene Ausprägungen, wie es Anlässe für Stress gibt.

Der Begriff Stress (engl.=Druck/Belastung) wurde ursprünglich in der Materialprüfung verwendet und erst durch Hans Selye auf die Belastung von Organismen und Menschen angewandt. Aus dieser eher neutralen Bedeutung von "Belastung, Beanspruchung" heraus ist es verständlich, dass auch Stress bei Menschen (psychologisch und physiologisch) erst einmal neutral eingestuft wird.
Die positive oder negative Einschätzung von Stress kommt dann erst durch die Auswirkungen zustande, die Stress bei den einzelnen Menschen auslöst. So wird heute vielfach noch zwischen positivem (eustress) und negativem (distress) unterschieden.

Tatsache ist, dass von außen als "gleich" eingestufte Belastungen bei unterschiedlichen Individuen unterschiedliche Reaktionen auslösen. Das macht Stress zu einer sehr persönlichen Angelegenheit: Die Lautstärke einer Disco wird von Stammgästen anders eingeschätzt - und hat auch andere Wirkungen auf sie - als von Gästen, die Discos nicht zu ihren Lieblingsaufenthalten zählen.

Stress entsteht jedoch nicht nur durch äußere Belastungen (Lautstärke, Luftverschmutzung, Giftstoffe, Arbeitspensum) sondern auch durch innere Belastungen (Motive und Einstellungen, Selbstanforderungen, Perfektionismus, Kontrollbedürfnisse). Alle diese "Stressoren" (=Belastungsfaktoren) lösen, physiologisch häufig nachweisbar, unterschiedliche Stressreaktionen aus. Im Körper werden verschiedene Regionen aktiviert, Hormone in unterschiedlicher Zusammensetzung ausgeschüttet und auf Zellebene unterschiedliche Signalwege und Transkriptionsfaktoren aktiviert.

"Das Ziel und die Dynamik der Stressreaktion entspricht in vielen Fällen von physischem Stress der Reaktion eines Regelkreises auf eine Störung." (Rensing u.a. 2006)

Psychischer Stress dagegen scheint weniger eindeutig erfassbar zu sein, da hier individuelle Bewertungs- und Bewältigungsprozesse einsetzen, die von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein können (Transaktionales Stressmodell nach Lazarus).

Wo setzen wir an?

Wir gehen von der wissenschaftlichen Definition von Greif (1991) aus, nach der Stress einen negativen Zustand beschreibt:

"Stress ist ein subjektiv intensiv unangenehmer Spannungszustand, der aus der Befürchtung entsteht, dass eine stark aversive, subjektiv zeitlich nahe (oder bereits eingetretene) und subjektiv lang andauernde Situation sehr wahrscheinlich nicht vollständig kontrollierbar ist, deren Vermeidung aber subjektiv wichtig erscheint." (Greif, 1991)

Alltagssprachlicher formuliert ist Stress eine persönlich als sehr unangenehm und unausweichlich empfundene Situation, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckt und sich weitgehend der eigenen Kontrolle entzieht.

Zentral ist die Analyse der Faktoren, die Stress auslösen (Umwelt, Arbeitsbedingungen, Lebensbedingungen) und der Faktoren, die zur Bewältigung von Stress zur Verfügung stehen (Bewertungen, Bewältigungsstrategien).
Ziel ist es, die eigene Kontrolle über die Situation zu stärken, objektiv belastende Faktoren herauszufinden und ggf. zu ändern.

Wie arbeiten wir?

Ausgangspunkt ist die Analyse der aktuellen Situation analog zur Gefährdungsanalyse im betrieglichen Gesundheitsmanagement. Die persönlichen Ressourcen werden herausgearbeitet und gestärkt. Die eigene Stressgeschichte unter der Fragestellung "Was habe ich bisher gemacht, wie habe ich bisher reagiert?" aufgearbeitet. In der Regel ergeben sich daraus Ansatzpunkte für ein weiteres Vorgehen.

Zu diesem weiteren Vorgehen gehören Selbstmanagement (z.B. Zeitmanagement, Arbeitsorganisation, Rollenklärung), der Einsatz eines individuell passenden Ausgleichsmanagements (Sport, Bewegung, Entspannung) und die gezielte Arbeit an den eigenen Bewertungsmustern.

Sie können Seminare für Ihre MitarbeiterInnen von uns ausarbeiten lassen, die von der Basisinformation über Stressentstehung über Analysen der Arbeitssituation bis zu individuellen Maßnahmen zur Entspannung oder Ressourcenaktivierung von uns und ggf. unseren NetzwerkpartnerInnen durchgeführt werden.

Gerade in diesem Bereich bieten wir auch Einzelcoaching an.

Sie wollen etwas gegen Ihren Stress tun? Ein erster Schritt ist das mail an uns!

Lesetipp:
BGW-Stresskonzept. Das arbeitspsychologische Stressmodell. Hrsg.: Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtsplfege (2006, Stand 12/2007)